Meine politischen Ansichten

Die Gesellschaftsordnung, der Kapitalismus, ist äußerst ungerecht. Ungefähr 2 oder 3 % der Bevölkerung besitzen so gut wie alle Produktionsmittel und die Mehrheit des Kapitals (=Geld). Die anderen 98 % müssen sich viel weniger Geld teilen als diese 2 %, und das, obwohl doch der gesamte Reichtum von ihnen erzeugt wird, da sie arbeiten. Die Gesellschaft besteht also aus zwei Klassen, von denen die eine die andere, zahlenmäßig viel größere, ausbeutet.

Man kann die Wirtschaft mit einer Maschine vergleichen, die durch Geld funktioniert. Die Menschen der unteren Klasse brauchen Geld, um leben zu können. Sie sind daher gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Die Firmen und Konzerne haben als einziges Ziel, möglichst viel Profit zu machen. Sie zahlen den Arbeitern als Lohn viel weniger aus als das, was sie durch deren Arbeit verdienen. In dieser Maschine hat das Kapital, das dadurch erzeugt wird, die Macht (und damit natürlich auch die Menschen, die es besitzen). Die ungerechten Besitzverhältnisse werden nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar durch die fortschreitende Ausbeutung verstärkt. Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer.

Die Ungerechtigkeit und Ausbeutung kann man auch gut an der sogenannten "Dritten Welt" sehen. Sie dient als Rohstofflieferant und Absatzmarkt für die reichen Länder, die sie in völliger Abhängigkeit und Unterentwicklung halten. Europäische und nordamerikanische Konzerne ziehen riesige Profite daraus. Die Folgen sind unvorstellbares Elend und Armut, so sind 1 Milliarde Menschen unterernährt und zehntausende verhungern jeden Tag, obwohl es eigentlich auf der Welt genug Nahrung für alle gibt.

Die Herrschenden versuchen, dieses System zu erhalten und Widerstand dagegen, möglichst schon im Keim, zu ersticken. Das wichtigste und effektivste Mittel dabei ist, die Menschen glauben zu machen, sie wären frei. Dies geschieht mittels Manipulation durch die Medien (vor allem das Fernsehen). Die Leute sollen denken, sie lebten in einem System, das demokratisch und das mit Abstand beste sei. Doch die Parteien unterscheiden sich meist kaum und die Politiker sind bestenfalls Marionetten, da die wahre Macht in den Händen des Kapitals liegt, das in keiner Weise demokratisch kontrolliert wird und das nicht nur jede Firmenpolitk bestimmt, sondern auch entscheidenden Einfluß auf die Regierung nimmt (z.B. über Wirtschaftsverbände mit Drohungen, noch mehr Arbeitsplätze zu streichen oder ins Ausland mit günstigeren Profitbedingungen zu gehen). Ein anderes wichtiges Mittel ist die Spaltung der Klasse. In den reichen Ländern kann ein großer Teil gut leben, was darüber hinwegtäuscht, daß auch dieser Teil (die "Mittelschicht") ausgebeutet wird, und was zu Konflikten innerhalb der Klasse, die er zusammen mit den Armen bildet, führt. Arbeitslosigkeit sorgt für mehr Konkurrenz unter den Arbeitern (da die Unternehmen weniger Arbeitsplätze anbieten als es Menschen gibt, die darauf angewiesen sind) und damit für optimale Profitbedingungen. Auch Rassismus und Nationalismus führen zu Spaltung und Ablenkung von den wahren Ursachen der Probleme und liegen daher im Interesse der Unterdrücker, die schließlich auch zu direkter Gewalt greifen, meist über die Polizei, als letztes Mittel sogar übers Militär.

Mit der europäischen Kolonisierung der übrigen Welt begann die Ausbeutung und Unterdrückung ganzer Kontinente, der Imperialismus, der auch heute noch andauert, vorwiegend mit wirtschaftlichen, aber auch, von den USA und der NATO unter dem Vorwand der Menschenrechte ausgehend, mit militärischen Mitteln. Mit der Industrialisierung begann die jetzige Form der Ausbeutung, die im 19. Jahrhundert von Marx und Engels analysiert wurde. Sie nannten die obere Klasse Bourgeoisie und die untere Proletariat und riefen im "Kommunistischen Manifest" die Proletarier aller Länder auf, sich zu vereinigen, um sich von ihren Ketten zu befreien. Seitdem haben die Gewerkschaften zwar die Lebensbedingungen der Arbeiter in den reichen Ländern verbessert, doch das kapitalistische System ist im Grunde noch immer dasselbe. Im Laufe der Geschichte gab es viele Beispiele für Widerstand, wie Slavenaufstände, die Indianerkämpfe, verschiedene Unabhängigkeitskriege und natürlich Revolutionen. Im 20. Jahrhundert siegten erstmals von Marx beeinflußte Revolutionen, also die als Ziel die endgültige Abschaffung der Ausbeutung und die Errichtung einer gerechten Gesellschaft haben, wie am 7. November 1917 in Rußland mit Lenin, 1949 in China mit Mao oder 1959 in Kuba mit Fidel Castro. In dessen Guerilla kämpfte auch Ché Guevara, der für mich ein großes Vorbild ist, gegen den US-Imperialismus und für ein menschenwürdiges Leben aller. Mit der russischen Revolution begann der erste Versuch eines Sozialismus, der jedoch letztendlich scheiterte. Schon seit Stalin hatte die Sowjetunion meiner Meinung nach nicht mehr viel mit Kommunismus zu tun, ebenso wie das heutige China.

Man kann aber viel aus der Geschichte lernen, vor allem aus diesem ersten sozialistischen Versuch. Ich bin der Meinung, die neue Gesellschaft muß vollständig demokratisch aufgebaut sein (nicht bloß scheindemokratisch wie im kapitalistischen System), natürlich mit freier Meinungsäußerung für jeden (und nicht nur für die Besitzer der Medien). Zum Beispiel könnte es über jede Entscheidung eine Abstimmung geben, was natürlich voraussetzt, daß die Menschen gut informiert sind. Die Arbeit muß gerecht verteilt sein. Niemand wäre gezwungen zu arbeiten, da man schon aus Langeweile was tun muß und bei weitergehender Maschinisierung sowieso weniger Arbeit anfallen wird (was im Kapitalismus zu mehr Arbeitslosigkeit führt). In der Sowjetunion trat der Staat an die Stelle der Kapitalisten und verwaltete die Wirtschaft, Kader und Bürokraten konnten ihre Position für sich persönlich ausnutzen. Staat und Hierarchien bedeuten immer auch Unterdrückung. Deshalb muß die Wirtschaft, die nur für die Menschen da ist und nicht umgekehrt, demokratisch kontrolliert werden. Es darf keine Möglichkeit geben, daß irgendwelche Leute sich bereichern oder Macht gewinnen können. Die neue Gesellschaft muß global sein, da sie in Konkurrenz zum Kapitalismus nicht möglich wäre. Es ist klar, daß es in ihr kein Militär, dessen Strukturen potentiell faschistisch sind und das nur zum Töten von Menschen dient, keine Kriege, bei denen für die Machtausdehnung irgendwelcher Herrscher oder des Kapitals oder wegen Konkurrenz um Ressourcen sich Menschen gegenseitig umbringen, und keine Nationalstaaten gibt, die eh nur unserer Spaltung dienen. Diese Gesellschaft ist sowohl anarchistisch als auch kommunistisch, da es weder Ausbeutung noch Unterdrückung gibt und jeder Mensch gleich viel Reichtum und Macht hat.

Die neue Gesellschaft läßt sich auf keinen Fall durch Wahlen erreichen, weil die Regierungen gar nicht die Macht haben, um etwas gegen den Widerstand des Kapitals durchzusetzten, und weil sich auch (einst) linke Parteien 100%ig an das System angepaßt haben (Beispiel: europäische Sozialdemokratie). Sie ist nur durch eine Revolution möglich, durch einen Aufstand der Massen. Gewalt ist dabei gerechtfertigt, da es sich um Gegengewalt zur strukturellen Gewalt des Systems handelt (gewissermaßen zum Durchbrechen der Ketten). Sie sollte sich aber nie direkt gegen einzelne Personen richten (bis hin zum Mord), sondern gegen die Unterdrückungsinstitutionen (Polizei und Militär als Instrumente von Staat und Kapital). Nach der Entmachtung der Bourgeoisie sollte es durch demokratische Lenkung des revolutionären Prozesses gelingen, die oben beschriebene Gesellschaft zu erreichen. Da die Herrschenden alles unternehmen werden, um ihre Macht und das System zu bewahren, scheint eine weltweite Revolution sehr schwierig. Doch sie ist die einzige Möglichkeit, Kriege, Armut, Hunger, Umweltverschmutzung (die ja auch durch Profitgier verursacht wird) und die verschiedenen Formen von Unterdrückung und Ausbeutung endlich zu beenden. Wir sind so viele (siehe Anfang), die unter dem System zu leiden haben, vereint können wir uns davon befreien. Wir müssen uns organisieren, uns informieren, die anderen aufklären, Aktionen unternehmen, für die Revolution arbeiten. Wenn wir, die Menschen, nichts tun, wer dann?

Anmerkung: Diesen Text schrieb ich im Jahr 1999, seitdem hat sich meine Meinung in einigen Aspekten geändert. Vor allem lehne ich Gewalt und Machtergreifung grundsätzlich ab. Es ändert sich nichts Grundlegendes, wenn eine andere Gruppe die Macht übernimmt, welche Ansichten sie auch haben mag. Vielmehr geht es darum, Herrschaft abzuschaffen. Gewalt ist die schlimmste Form der Unterdrückung und dient dazu, Macht durchzusetzen. Es bleiben natürlich kritische Situationen, in denen es sinnvoll sein kann, sich auch gewaltsam zu wehren.